Lange ist es her, da ich mich hier betätigt habe, aber nun ist es wieder mal an der Zeit das ein oder andere Wort von mir zu geben.

American Idol ist gestern zu Ende gegangen. Zumindest die 10. Staffel, die 11. wird ja bereits Ende nächsten Monats anlaufen. Es war eine sehr interessante Staffel, denn sie war ähnlich verlaufen wie die 8. Staffel von DSDS. In den Top 9 schied damals überraschend Pia Toscano aus, die von den meisten als die absolute Favoritin angesehen wurde. Da hagelte es ja auch bisweilen üble Kritik am Showkonzept, unter anderem von niemand geringerem als Tom Hanks. Auch der "Rettungsjoker" der Jury für Casey Abrams hat ihm nicht geholfen, er musste ebenfalls später gehen. Und so kam es zum bisher jüngsten Finale aller Zeiten. Dort standen sich gegenüber die sechszehnjährige Lauren Alaina und der siebzehnjährige Scotty McCreery. Interessanterweise gab es noch eine Premiere. Denn beide Finalisten waren im gleichen Genre tätig, nämlich Country.

Sicherlich werden sich viele an dieser Stelle fragen, warum amerikanischer Schlager so angesagt sei. Deswegen habe ich mich mal etwas schlau gemacht. Was wohl kaum einer in Europa weiß ist, dass Country in den USA das meistverkaufte Genre überhaupt ist. Außerdem ist Country mittlerweile nicht mehr das, was man in Deutschland unter Country kennt. Truck Stop hat kaum noch etwas mit aktuellem Country zu tun. Ikonen wie George Strait oder Randy Travis machen eine ganz andere Art Musik. Selbst die mittlerweile recht bekannt gewordene Berliner Band "The Boss Hoss" sind mit ihrem Country Rock schon teilweise meilenweit entfernt von dem was in den USA produziert wird. Weiterhin ist die erfolgreichste Casting-Show Teilnehmerin aller Zeiten ebenfalls ein Country-Star, nämlich Carrie Underwood (Sieger American Idol Staffel 4). Sie war im Übrigen zum Teil daran Schuld, dass mich erst jetzt wieder hier melde. Die Musik ist nämlich wirklich grandios.

Aber back to the topic. Um die ganze Staffel von American Idol einigermassen zu verstehen, muss man sich ein wenig mit dem Thema beschäftigen, denn die US-Version von DSDS unterscheidet sich zum Teil sehr deutlich von seinem deutschen Konterpart. Die Jury dort ist natürlich weit hochkartätiger bestückt als bei uns. Ich erwähnte es ja bereits mal in einem früheren Artikel. Dort sitzen Randy Jackson (Produzent und Songwriter), Steven Tyler (Sänger, Songwriter, bekannt durch die Band Aerosmith) und Jennifer Lopez (Sängerin, Tänzerin). Das vergleiche man nunmal mit unseren semibekannten Pappnasen, die letztendlich nur da sitzen, damit das Pult nicht umkippt und Bohlen nicht einschläft. Meinung zählt eh nur eine, nämlich die von Dieter, alle anderen denken einfach falsch.

Moderiert wird American Idol von Ryan Seacrest, einem der bekanntesten us-amerikanischen Moderatoren überhaupt. Er moderiert noch einige andere bekannte Shows, wie zum Beispiel die Emmy-Verleihung. Der Vergleich mit Marco Schreyl schmeichelt höchstens Schreyl, denn es ist als würde man den Wiener Opern Ball mit einem Kindergeburtstag vergleichen. Seacrest ist souveräner, macht nicht so viel Theater und reißt keine dummen Sprüche, was die Sendung im Ganzen viel seriöser macht.

Zum Showkonzept. Wie ich schon ankündigte ist es zwar das selbe Franchise, aber doch eine ganz andere Show. Jede Staffel beginnt mit den sogenannten Auditions, den Castings. Diese finden zum Teil sehr weit voneinander entfernt statt, denn es gibt insgesamt etwa 7 Castings über die gesamte USA verteilt. Bei jedem Casting erscheinen laut Fox (der Sender, der American Idol ausstrahlt) oft über 10.000 Kandidaten. Diese gehen durch die Preliminary Auditions, als das Initial-Casting. Etwa hundert, bis zweihundert erreichen dann die eigentlichen Auditions vor Produzenten. Bei uns wäre das bereits der Recall. Bis hierher hat die eigentliche Jury noch keinen einzigen Auftritt. Diese kommt erst danach ins Spiel, denn es folgt die einzige Show in dieser Phase des Wettbewerbs, in der die von den Produzenten gecasteten Kandidaten vor der Jury singen dürfen. Diese sieben die Kandidaten nochmals ordentlich durch, so dass pro Stadt nicht mehr als zehn, bis maximal 60 Leute in die nächste Runde vordringen. Man muss hier also schon einiges geleistet haben, um die Jury überhaupt zu Gesicht zu bekommen. In der letzten Staffel fanden die Castings übrigens in East Rutherford - New Jersey, New Orleans - Louisiana, Milwaukee - Wisconsin, Nashville - Tennessee, Austin - Texas, Los Angeles - California und San Francisco - California statt. So bekommt man mal eine Vorstellung über die Entfernungen. Die elfte Staffel wird ab dem 28.06.2011 in folgenden Städten gecastet: St. Louis - Missouri (28.06.), Portland - Oregon (02.07.), San Diego - California (08.07.), Pittsburgh - Pennsylvania (15.07.), Charleston - South Carolina (22.07.), Houston - Texas (26.08.).

Es folgt dann die sogenannte Hollywood Week. Diese findet meistens im Pasadena Civic Center in Hollywood, Los Angeles, California statt. Dort finden dann Gruppen- und Einzelperformances statt und in etwa drei Runden mit unterschiedlichen Aufgaben (Mottos) werden einzelne Kandidaten von der Jury "eliminated", also rausgeworfen. In der vierten Runde werden aus den übrig gebliebenen Kandidaten kleine Gruppen gebildet, die zusammen einen Song performen. In der letzten Runde gibt es noch eine Einzelperformance in der die Kandidaten a capella oder mit Begleitung einer Band einen Song performen. In den Staffeln 2 und 3 mussten die Kandidaten sogar zum Teil eigene Songs schreiben. Die Hollywood Week variiert aber zum Teil von Staffel zu Staffel stark. Hier nimmt sich die Jury oft viel Spielraum heraus, so werden zusätzliche Runden eingefügt, oder weggelassen, besonders gute Kandidaten direkt nach dem ersten Song in die letzte Runde vorgelassen, oder man macht regionale Abstecher, wie in der letzten Staffel nach Las Vegas. Zwischen 24 und 36 Kandidaten werden dann in den nächsten Abschnitt (Halbfinale) vorgelassen.

Die Semifinals variierten auch schon recht stark, aber nicht mehr so extrem wie die Hollywood Week. Hier werden Gruppen gebildet, die von Staffel zu Staffel unterschiedlich groß und unterschiedlich bestückt sind. Von jeder Gruppe kommen die besten weiter. In Staffel 10 wurden nur zwei Gruppen gebildet, die Männlein und Weiblein trennten, wovon die jeweils besten fünf in die Finals gewählt wurden. Ab den Semifinals wurde auch das Public Voting eingeführt, sprich die Zuschauer entscheiden ab hier wer weiter kommt und wer nicht. Ausnahmen waren die Wildcards, die die Jury vergeben hat. Diese konnten direkt in die Finals vordringen. Die Geschlechtertrennung wurde ab Staffel 4 eingeführt um zu gewährleisten, dass jeweils eine gleiche Anzahl an Männern und Frauen in den Finals vertreten sind, zumal bekannt ist, dass bei den Public Votings das selbe Problem wie in Deutschland herrscht, zwar nicht ganz so extrem, aber Männer hätten immer leichte Vorteile, da das Publikum zu großen Teilen aus jungen Mädels und Müttern bestehen soll, so Fox. Diese Regelung greift in Deutschland nicht. Bei uns können also theoretisch 10 Jungs oder 10 Mädels in den Mottoshows stehen.

Üblicherweise starten die Finals mit einer Top 12 bei American Idol, Ausnahmen waren eine Top 13 in den Staffeln 8 und 10. Aber hier beginnen auch wieder die Parallelen mit DSDS. Denn hierbei handelt es sich um die uns bekannten Mottoshows. Oft werden die Mottos aus verschiedenen Genres gebildet. Beliebt sind beispielsweise Motown, Elvis Presley, The Beatles, und ähnliches. Ab und an kommen auch Themen wie beispielsweise Billboard No. 1 Hits. Meistens wird den Kandidaten für das jeweilige Motto ein berühmter Musiker oder Produzent als Mentor zur Seite gestellt. In Staffel 10 waren das unter anderem Marc Anthony, Babyface, Sheryl Crow, Lady Gaga und Beyoncé. Ebenfalls im Unterschied zum deutschen Pendant hat die Jury seit Staffel 8 die Möglichkeit einen "Judges Save" auszuspielen. Ein Ein-Mal-Joker, mit dem die Zuschauer überstimmt werden können um einen Kandidaten in die nächste Runde zu retten. Dafür müssen bei der nächsten Show zwei Kandidaten ausscheiden. Der Rest funktioniert ähnlich wie bei uns. Die drei Kandidaten mit den wenigsten Stimmen kommen nach vorn, davon wird einer (Bottom 3) für "save" erklärt und aus den letzten beiden (Bottom 2) einer (der mit den wenigsten Votes) von der Show "eliminated", muss also ausscheiden. Der "Judges Save" kann übrigens nicht mehr benutzt werden, sobald man sich in den Top 5 befindet. Die Finals finden durchweg, mit Ausnahme der Top 2-Show in CBS Television City, Los Angeles, California statt. Das Studio ist nahezu eine Kopie des Studios von DSDS.

Die Top 2-Show, also das eigentliche Finale findet mittlerweile im Nokia Theatre im L.A. Live Complex, Downtown Los Angeles, statt. Die Halle fasst 7.000 Zuschauer und ist unter anderem auch Austragungsort der American Music Awards.

Vielleicht kurz noch mal zum Voting, weil auch das unterscheidet sich von Deutschland mitunter sehr stark. Wie gesagt, das Public Voting wird ab den Semifinals durchgeführt. In jeder Zeitzone der USA gibt es ab Ende der Übertragung ein Zwei-Stunden-Fenster in dem abgestimmt werden kann. Für das Finale sind es vier Stunden. Wie bei uns auch, kann man anrufen oder eine SMS für seinen Favoriten einsenden. Jeder kann so oft abstimmen wie er möchte, aber der Sender behält sich das Recht vor sogenannte "Power-Dialer" vom Voting auszuschließen, also Systeme die automatisch immer wieder eine bestimmte Nummer anrufen. Rekord in Staffel 8 waren insgesamt 624 Millionen Votes (Quelle: www.fox.com)! Seit Staffel 2 und dem Eintreten von AT&T Wireless als Sponsor gibt es den SMS Service und neu seit Staffel 10 das Online-Voting über Telescope Inc. Jegliches Voting für American Idol ist "toll-free", d.h. der Angerufene übernimmt alle Kosten, nicht wie in Deutschland, wo der Anrufer mit einer zusätzlichen Voting-Hotline-Gebühr (insg. 50 Cent pro Anruf) belastet wird. Es kostet einen Amerikaner also keinen Cent zu voten!

Aber wer hat denn nun Staffel 10 gewonnen? Eigentlich erwartungsgemäß hat Scotty McCreery das Finale von American Idol Season 10 gewonnen. Mit seiner außergewöhnlichen Stimme hat er nun den Plattenvertrag mit 19 Management gewonnen. Jeder Sieger von American Idol hat bisher mindestens 1 Mio USD gewonnen. Außerdem hat jeder Zweitplatzierte (Runner-Up) bisher einen Plattenvertrag erhalten, sowie viele der Finalists. Alle Top 10, bzw. Top 11 Kandidaten haben außerdem das Recht einmal auf Tour zu gehen, was den Kandidaten zumindest 6-stellige Beträge einbringt.

Abschließend sei noch gesagt, dass RTL die Rechte an der Ausstrahlung von American Idol in Deutschland erhalten hat. Kurioserweise wird es aber nie ausgestrahlt... Warum wohl?

Kommentare

American Idol - Season 10 - Finale | graderaus.de

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